
Billi Bosch
Märchenabenteuer 1
Alarmstufe Grün im Rheinsumpf!
Billi Bosch passt so gar nicht in seine schreckliche Raubritter-Familie: Er kämpft nicht, er plündert nicht – er liest heimlich Bücher!
Papa Graf Schnüffel tobt so laut, dass die Schlossmauern wackeln. Nur Mama Gertrude kann ihn stoppen, indem sie mit der schlimmsten Strafe der Welt droht: absolutem Vanillepudding-Verbot für den Grafen!
Doch für Billi bleibt keine Zeit zum Schmökern. In den unheimlichen Rheinsümpfen treibt ein riesiges, gefräßiges Monster sein Unwesen.
Um das Biest zu stoppen, gründet Billi das wohl verrückteste Rettungsteam aller Zeiten: Die Barbie vom Niederrhein, einen super ängstlichen Mini-Ritter in riesigen Gummistiefeln, und eine waschechte, sprechende grüne Gurke namens Archi Bold!
Können ein belesener Softie, ein zitternder Ritter, die rosa Barbie, und eine knackige Salatbeilage das Sumpfmonster austricksen?
Ein herrlich actionreiches und total verrücktes Abenteuer voller Mut, Witz und Pudding Power!
Billi Bosch und das Monster vom Niederrhein
Im Land von Maas und Rhein, dort, wo die Kornmühlen sich drehen, die Mäuse im Mehl ihren Spaß haben, die Reiher tief fliegen und die Weiden im Wind jammern, dort ist die Heimat von Billi Bosch.

Dort kennt er jeden Stein, jeden Baum und jede Burg. Sein Zuhause ist Burg Kratzenstein. Dunkel und behäbig steht sie am Hang. Gar manches Burggespenst erschrickt ob ihrer Mächtigkeit.
Billi Bosch entstammt dem Geschlecht der schwarzen Ritter, die gar viel Unwesen getrieben zu ihrer Zeit. Hoch zu Ross stieben sie durch´s Land, raubten Gold und Silber und jagten Schrecken ein den holden Mägdelein.
Noch Billis Vater, Graf Schnüffel Bosch zu Eulenstein - sein Markenzeichen sind die roten Haare und die Eule Eleonore stets an seiner Seite - verwüstete der braven Leute Heim und liebte es, Feuer zu legen an manch´ stolzes Haus. Stets rief er dann schauerlich: "Es lebe das Geschlecht der schwarzen Ritter, Dank sei meinem Vater."
Doch Billi Bosch fiel aus der Art. Schon als kleines Kind konnte er sich nicht sattsehen an den Bildern in seinen Kinderbüchern.
Später, als er lesen gelernt, verschlang er Wort um Wort aus den Büchern, die seine Mutter - Gertrude von und zu Vanille - ihm schenkte. Sie war von feinem Geist und liebte die Künste aller Art. Es gefiel ihr sehr, dass Billi die Bücher liebte.
Nur Graf Schnüffel rümpfte darob die Nase und polterte: "Bosch Junior, du dummer Bücherwurm, schwing deine Haxe auf den nächsten Gaul und verbreite Graus und Pein im ganzen Land zu Ehren deiner Ahnen."

Graf Schnüffel Bosch zu Eulenstein

Burg Kratzenstein & Gespenster

Gertrude von und zu Vanille
Eule Eleonore flatterte nickend und yeah yeah krächzend um ihn herum. Billi stand stumm im Raume, erwartete den so oft folgenden Fußtritt, doch flugs stand Mutter Gertrude vor ihm und hob warnend die Hand.
"Untersteh` dich,Schnüffel! Tust du meinem Sohn ein Leid an, ich verlasse dich und nie wieder gibt es Vanillepudding!!"
Oh je, das war eine harte Strafe. Der geliebte Vanillepudding. Nur Gertrude verstand die rechte Art des edlen Puddings. Und der Genuss desselben war Göttergleich. Also trottete Graf Schnüffel Bosch zu Eulenstein schweren Herzens davon.
"Verlass sie, verlasse sie!" krächzte die Eule. "Das dumme Weib. Ich werd` kochen die feinste Wurm -und Mäusespeise, die je das Erdenrund gegessen hat."
Schnüffel schielte nur angewidert zu ihr hoch und trottete davon.
Wenn Billi Bosch nicht las, dann traf er sich mit seinen Freunden Archi Bold, der grünen Gurke, und Erich, dem kleinen Ritter.

"Meines Freundes Freude sei stes auch die meine." So begrüßte klein Erich stets seinen Freund.
Archi Bold war da nicht so förmlich. "Wie jeht`s dir so? Haste mal wieder ne jute Jeschichte uff Lager vom Land hinter dem Jartenzaun? Von schrecklichen Schleimern und zarten Flüjelwesen, wa, eh!"
Wie man hört, er stammte nicht von Maas und Rhein. Nein, er war aus dem fernen Berlin einst hierher gewandert. Meter für Meter auf seinen großen schwarzen Gummilatschen.
"Liebe Freunde," Billi räusperte sich, schob seine Brille auf der Nase zurecht, schaute kurz gen Himmel und fing dann an weihevoll zu sprechen: "Es gab einst eine Zeit, da sah die Erde ganz anders aus. Es war heiß und sehr schwül, überall brodelten die Wasser und die Pflanzen und Bäume wuchsen in den Himmel. Aber noch größer waren die Tiere. Ihre Hälse waren höher als der höchste Turm, den ihr je gesehen."
Ei, jei jei, mir wird ganz schwindelig. Klein Erich drehte sich im Kreis. "Wahre Monster!"
"Aber Erich! Sie waren nur groß. Es waren friedliebende Pflanzenfresser. Doch es gab auch fürchterliches Getier. Es war nicht so groß, dafür aber flink wie ein Wiesel mit riesigen großen Mäulern. Sie waren der Schrecken der damaligen Zeit."
"Schlimmer als die Schleimer?" wollte Archi Bold wissen.
"Viel, viel schlimmer. Kaum Einer war vor ihnen sicher."
"Oh je, hoffentlich gibt es nicht noch welche!" Klein Erich war sehr erschrocken.
"Nein, nein, Ritter Erich, die lebten vor Millionen von Jahren."
"Meine Freunde, Meine Freunde! Habt ihr schon gehört?" Ein helles, aufgeregtes Stimmchen war zu hören. Von Ferne kam die süße Susi angelaufen.
"In den Sumpfauen des großen Rheins passieren schlimme Dinge. Mutter Kröte und Holger Lurch erzählen von einem Monster, das schon viele Freunde gefressen hat. Sie weinen die dicksten Tränen, die ich je gesehen habe."
"Siehst du, siehst du, die Monster von früher sind zurückgekehrt!" Klein Erich stampfte aufgeregt mit seinen Stiefeln.
"Nun mal langsam!" Billi versuchte, Ruhe in die kleine Truppe zu bringen. "Lasst uns erst mal überlegen. Wir müssen natürlich helfen. Aber dafür bedarf es eines Plans."
Alle setzten sich hin und nahmen ihre Köpfe in die Hände bis es rauchte.
"Ik hab` da sonne Idee," Archi Bold erhob sich und brachte sich in Pose. "Wir nehmen uns ein Boot und schippern so den Rhein herunter."
"Nicht schlecht, nicht schlecht."
"Aber nur in Rüstung," warf Klein Erich ein.
"Da hast du recht, aber meine muss rosa sein." Darauf bestand die süße Susi.
"Und wir nehmen ein großes Netz mit, damit werden wir das Monster fangen." Damit schloss Billi die Planung ab. "Wir treffen uns morgen um fünf in der Früh."
"Juchuh, ich freu` mich." Susi hüpfte leichten Herzens davon.
Um fünf Uhr früh standen alle bibbernd bis auf Archi Bold am Ufer des Rheins. Billi Bosch hatte ein braunes Boot dabei und Ritter Erich hatte für jeden eine tolle Ausrüstung, für die süße Susi sogar eine in rosa.

"Toll, sie ist nur so hart!" jammerte sie.
"Das muss so sein, dafür schützt sie dich auch."
"Wo bleibt nur Archi?"
"Der hat bestimmt verschlafen!" Doch da sah man ihn auch schon anschlurfen.
"Mann, oh Mann, bin ich müde!"
"Jetzt aber mal ab in die Puschen, ab in die Rüstung!" Dann saßen alle im Boot und ruderten durch die Nebelschleier des Niederrheins.
"Ik seh` nischts!"
"Psst," sagte Susi "Wir müssen leise sein. Das Monster darf uns weder sehen noch hören."
Plötzlich raschelte es linker Hand bei einer tiefgewachsenen Trauerweide. Klein Erich erschrak so sehr, dass er auf den Schoß der süßen Susi sprang.
Das schepperte ganz schön und Susi sagte "Aua".
Ein grauer Hase schoss aus der Weide und in dem dicken Nebel sah er aus wie ein kleines Gespenst im Kartoffelsack.
Archi Bold musste sein Lachen unterdrücken. Der Hase guckte erstaunt und sagte: "Guten Morgen" und hoppelte davon.
Leise ruderte man weiter. Hinter der nächsten Kurve hörte man ein Schluchzen.
"Huhu,ich bin so fürchterlich traurig, huhu." Mutter Kröte und Holger Lurch saßen weinend am Ufer.
Dann sahen sie das braune Boot und machten große Augen.
"Welch seltsame Truppe schippert denn da den Rhein herunter?"
"Guten Morgen, Mutter Kröte. Guten Morgen Holger Lurch. Wir wollen euch helfen und das Monster mit dem Netz fangen."
"Das wäre ja wunderbar. Wir drücken euch die Daumen."
Mutter Kröte und Holger Lurch winkten zum Abschied.
Mutter Kröte und Holger Lurch saßen weinend am Ufer. Dann sahen sie das braune Boot und machten große Augen.

Nachdem die vier Freunde eine halbe Stunde gerudert waren, wurde es unheimlich still.
Nichts rührte sich, kein Vogel sang, keine Grille zirpte.
"Hier stimmt was nicht!" sagte Billi Bosch, "Wir müssen jetzt achtsam sein."
Und dann ging alles ganz schnell.
Der Himmel verdunkelte sich und ein Monster so groß wie Schloss Kratzenstein stand plötzlich vor ihnen und blinzelte mit funkelnden Augen.
"Mmmmh, lecker,lecker. Ein gutes Frühstück kommt da angeschippert!"
Das Riesenmonster war feuerot, mit Augen so groß wie Mühlräder und einem riesigen Mund mit mehr als 100 scharfen, weißen Zähnen, die im Licht blitzten.
So etwas Fürchterliches hatten die Freunde noch nie gesehen.
Allen zitterten die Knie hin und her.
"Mmmmh, lecker, lecker. Ein gutes Frühstück kommt da angeschippert!"

Klein Erich fiel vor Schreck ins Wasser.
Billi griff nach dem Netz, Archi nahm das andere Ende in die Hand.
Dann hatte die süße Susi die glorreiche Idee. Sie sprang ihm auf die Füße und kitzelte und kitzelte sie.
Daraufhin musste das Monster so lachen, dass es umfiel und mit dem Lachen nicht mehr aufhören konnte.
"Hahahaha" schallte es den Rhein rauf und runter, sodass alle Tiere aufschreckten und schnell das Weite suchten.
Schnell zogen Billi und Archi das Netz über das Monster und schnürten es zu.
Schnell zogen Billi und Archi das Netz über das Monster und schnürten es zu.

Klein Erich war inzwischen wieder an Land und hielt einen Zitteraal in der Hand.
Den steckte er dem Monster schnell durch das Netz auf den Bauch des Monsters, was wiederum solch einen Kitzelanfall bei ihm auslöste, dass er nicht mehr aufhören konnte.
Er verschluckte sich an seinem Lachen....und hurz di purz, schon purzelten die Freunde von Mutter Kröte und Holger Lurch aus dem Maul des Riesenmonsters.
Die bedankten sich bei den vier Freunden und hüpften erfreut davon.
Und schon purzelten die Freunde von Mutter Kröte und Holger Lurch aus dem Maul des Riesenmonsters.

Das Monster landete im Keller von Schloss Kratzenstein.

Der war ziemlich dunkel und ganz feucht und kalt. Und die Spinnen tanzten im Dämmerlicht.
Aber das störte das Monster gar nicht. Denn es hatte täglich Besuch von Graf Schnüffel und Eule Eleonore. Die drei spielten immer das Spiel "Wer ist das böseste Monster im ganzen Land".
Alle drei liebten dieses Spiel und wurden dicke Freunde.

Und in den oberen Schlossräumen,die Mutter Gertrude wunderschön eingerichtet hatte, da saßen oft die vier Freunde und aßen den leckersten Vanillepudding, den es je gegeben hatte. Mutter Getrude kochte ihn gerne immer wieder für Billi und seine Freunde.